Architecture Suisse

LIBRE

Bauen mit Holz 1986

Rubrik(en)
LIBRE

Der Text der Artikel wird automatisch generiert und kann vereinzelt vom Original abweichen. Richten Sie sich bitte grundsätzlich an das Original-Pdf.

Bei den beiden Holzwohnbauten in Eglisau und Langnau a.A. beziehen wir uns auf den schweizerischen Holzbau der Zwischenkriegszeit', publiziert unter anderem im 1936 in Basel erschienen Buch «Schweizer Holzhäuser» von PaulArtaria. Für die Pioniere der Moderne ist der Holzbau ab Mitte der zwanziger Jahre in der Schweiz ein aktuelles Thema, können sie doch an ihm verschiedene Forderungen und Themen des Neuen Bauens, wie das Erarbeiten von Kleinstgrundrissen, materailgerechtes Bauen und Vorfabrikation, respektive Trockenbauweise, in Zusammenarbeit mit der ansässigen Holzindustrie ausprobieren. So nehmen denn auch die meisten von ihnen am 1932/33 von der eben neu ins Leben gerufenen Vereinigung «Lignum -Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz» ausgeschriebenen «Wettbewerb für neuzeitliche Holzhäuser» teil (Werner Moser, Rudolf Steiger, Max Ernst Haefeli, A. und H. Oeschger usw)2. Mit dem modernen Holzbau gelingt es ihnen auch, oft in Zusammenarbeit mit dem progressiven Flügel des schweizerischen Heimatschutzes inneralb der Ende zwanziger Jahre beginnenden Regionalismusdebatte Vorschläge und Projekte vorzulegen, welche sich gegen die sich anbahnenden Reaktion in Form einer Wiederauflage des Swiss Chalet durchsetzen, wie zum Beispiel bei den damals entstanden Berghütten des Schweizerischen Alpenklubes von Hans Leuzinger3. Dabei entstehen Projekte, die sich durch ein eigenartiges Ineinandervon traditionellen Formelementen wie die weitauskragenden Dächer und modernen Merkmalen wie die einfachen glatten Baukörper mit liegender Holzschalung oder Bandfenster auszeichnen. Was uns an diesen Bauten, respektive am Holzbau dieser Zeit interessiert ist die konstruktive Durcharbeitung, beziehungsweise der enge Zusammenhang zwischen Konstruktion und Architektursprache. Die Bauten weisen eine Feinheit aber auch Direktheit in der Detailbearbeitung auf, wie sie inzwischen längst verlorengegangen ist und durch die Ansprüche bezügliche Kältebrückenprobleme im Stahlbau beispielsweise gar nicht mehr möglich ist. Der moderne Schweizerische Holzbau der Zwischenkriegszeit ist für uns dessalb ein wichtiges Referenzfeld als Alternative zur im Moment vielerorts produzierten «Kartonarchitektur», überklebt mit den gängigen, postmodernen «Lesehilfen»wie Rustiko-Sockel, Giebel überden Eingängen, nach oben sich vereinfachende Fensterleibungen und für jedermann ersichtlicher Dachabschluss. Die Leichtigkeit der Holzrahmenkonstruktionen und der sich beim Holz unterschiedlich abzeichnende Alterungsprozess (ähnlich wie eine Lederjacke, die eigentlich durch das Tragen immer schöner wird) geben diesen Bauten etwas Provisorisch-Unverbindliches, welches in einer Zeit der Superzeichen eine Wohltat ist. Im übrigen beschäftigt uns an diesen Bauten deren Ambivalenz zwischen Tradition und Moderne, welche es uns, übertragen auf die beiden eigenen Projekte gegenüber den Gemeindebehörden erlaubt hat, die Bauten überhaupt durchzubringen (offenbar haben die Projekte genügend traditionelle Verweise, wie beispielsweise die weit auskragenden Dächer, um sie innerhalb der stark restriktiven Bauordnungen akzeptieren zu können).

Paul Artaria Projekt für ein Ferienhaus im Jura, nach 1930 Projet pour une maison de vacances dans le Jura, vers 1930

Beim Haus in Eglisau ist dem hinteren, langgezogenen Baukörper eine nichttragende Holzrahmenkonstruktion vorgestellt, wie sie Ende fünziger Jahre vom dänischen Architekten Arne Jakobsen mit Bezug auf die Arbeiten von Mies van der Rohe und Craig Ellwood in mehreren Projekten zur Anwendung kam. Versuche, die Architektur von Mies van der Rohe auf den Holzbau zu übertragen finden sich auch in der Schweiz, unter anderem von Franz Füeg. Beim Haus in Langnau haben wir versucht durch Verformung der einzelnen Baukörper (zum Beispiel die der Bauline zum Teil folgenden Rundung des hinteren Baukörpers oder die schiffsartige Auskragung im Wohntrakt), dem Holzbau vermehrt plastische Qualitäten abzugewinnen, wie dies Ernst Anderegg in seinen Holzbauten um Meiringen mit Seitenblick auf das Werk von Wright auf sehr schöne Art vorgeführt hat. In Zukunft möcht wir vom Arbeiten mit Bildern abkommen und vermehrt auf die Produktions- und Montagetechniken im heutigen Holzbau eingehen und thematisieren (neue Verbindungsmittel wie Leim an Stelle von Nagel und Schraube, welche es erlauben, Holzplatten unvermittelt aneinander aufreihen zu können, oder verbesserte Materialeigenschaften, die es ermöglichen, grössere Plattenformate zu verwenden). Interessant war auch die Baustellenerfahrung beim kleinen Haus in Eglisau, wo vorallem im Rohbau der abstrakt modulare Charakter des Holzbaues zum Ausdruck kam. Wir denken, dass einerseits die konstruktiv­ geometrischen wie aber auch die plastischen Qualitäten und Möglichkeiten des Holzbau (meist nur ersichtlich im Rohbau) zu neuen Lösungen im Holzbau führen wird. Christian Sumi, Marianne Burkhalter Architekten. Zürich 1 Im Rahmen eines IKEA-Stipendium stellen wirzurZeit eine Dokumentation überden Schweizerischen Holzwohnbau der Zwischenkriegszeit zusammen. Hinweise zu dazu finden sich unter anderem in: - Jacques Gubler, «Nationalisme et internationalisme dans l'architecture suisse», Lausanne 1975, s. 176: - Paul Bissegger, «Holzhäuser müssen konstruiertwerden», in: Archithese 5-85: - OthmarBirkner, Lernen aus Tradition und Erfahrung, in: «Neuer Holzbau in der Schweiz», hrsg. Lignum - Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz, Zürich, 1985. 2 Schweizerische Bauzeitung 101(1933), ss. 140-145. 3 WaiterZschokke, «Regionales Bauen und Neues Bauen», in: Archithese 5-85.

Marianne Burkhalter + Christian Sumi Wohnhaus mit Atelier in Langnau am Albis Habitation avec atelier à Langnau am Albis Für diese AS-Ausgabe, ganz der Holzkonstruktion gewidmet, haben wir Heidi und Peter Wenger, Architekten von Brig, gebeten, uns einen Artikel über ihre Erfahrungen auf diesem speziellen Gebiet der Architektur auszuarbeiten. Sie haben uns einen reichlich illustrierten Artikel unterbreitet, welcher verschiedene Realisierungen, die sie in den letzten Jahren in der Schweiz gemacht haben, umfasst. Sie haben uns ebenfalls vorgeschlagen, ihre Arbeiten in einer ganz besonderen Art zu veröffentlichen, wie Sie beim Lesen der letzten Seiten dieser Ausgabe selbst feststellen können. Diese, von den Beiden ersonnenen, neue Darstellung bietet eine ausgedehntere Übersicht über ihre Forschungsarbeiten. Wir würden es sehr zu schätzen wissen, wenn uns unsere Leser ihre Ansichten über diese neue Präsentation, welche in den nächsten Ausgaben ausgearbeitet werden könnte, kundgeben würden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir den andern Teilnehmern, die zur Verwirklichung dieser AS-Ausgabe mitgeholfen haben, aufrichtig danken. (Die Redaktion) II