Muzharul Islam (1923–2012) hat in Bangladesch ein herausragendes architektonischen Werk hinterlassen, das weit über seinen zeitlichen und geografischen Entstehungshorizont Relevanz besitzt. Trotz dessen Bedeutung und Einmaligkeit ist es jedoch noch immer verhältnismässig wenig bekannt.
Als die weltweit erste umfassende, international publizierte Monographie über den Bengalischen Architekten stellt die Publikation Spaces of Belonging — The Architecture of Muzharul Islam durch zahlreiche Photographien und Reproduktionen detailreicher Originalzeichnungen einen Reigen von stupenden Bauwerken, die inklusive Denkweise und die kulturübergreifende Dialogfähigkeit des Bengalischen Architekten und Aktivisten einem internationalen Publikum vor. Textbeiträge von Autoren aus verschiedenen Hemisphären eröffnen facettenreiche Sichtweisen auf Islams Werk und ordnen es in den geschichtlichen Kontext und in aktuelle Zusammenhänge ein. Brennende Themen, die die globale Architekturdebatte gerade aktuell besonders prägen, sind im pionierhaften Œuvre von Muzharul Islam zukunftsweisend angelegt: Klimasensitives und suffizientes Bauen, soziale Engagement und die Überwindung kolonialer Denkweisen sind Felder, die der Architekt und Aktivist seit Beginn seiner Karriere ab den 1950er-Jahren unablässig verfolgt hat.
Wohngebäude für das Personal der Jahangirnagar-Universität in Savar (1968–1969)
Wohngebäude für das Personal der Jahangirnagar-Universität in Savar (1968–1969)
Muzharul Islams Werk offenbart, dass Architektur mit nichts anderem als ihren Kernwerkzeugen wie Raum, Struktur und Konstruktion wirkungsvolle Hebel zur Unterstützung positiver Veränderungen in der Hand hat. Durch eine subtile Ausgewogenheit von Pragmatik und Poetik schuf der Architekt damit Identität stiftende Räume der Zugehörigkeit. Die Publikation dokumentiert nicht nur bisher selten gesehene architektonische Werke sondern stellt auch kritische Fragen zu gängigen Vermittlungspraktiken, die in „Ismen“ und latent hegemonialen Haltungen verhaftet sind und zu einer vorwiegend aus westlicher Sicht skizzierten architektonischen Weltkarte geführt haben.
Herausgegeben von Niklaus Graber
Text: Niklaus Graber, Saif Ul Haque
Grafische Gestaltung: Carla Crameri
Fotografie: Niklaus Graber
Publiziert im Quart Verlag, 2025 Luzern
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