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Urbane Renovierung

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Schweizerischer Ingenieur- und Architekten-Verein Société suisse des ingénieurs et des architectes Société svizzera degli ingegneri e degli architetti

Urbane Renovierung Vorbemerkung Die Tatsache, dass wir uns mit dem Bauen in historisch gewachsener Umgebung beschäftigt haben, wird uns nicht dazu verleiten, vorschnell allgemein verbindliche Theorien aufzustellen. Selbstverständlich steht bei jedem Projekt am Anfang die Suche nach grundsätzlichen Lösungen, die überden Einzelfall hinaus ihre Gültigkeit haben könnten. Ohne Zweifel gibt es auch für uns Prinzipien, von denen wir nicht abweichen möchten, und wir sind bereit, diese zu nennen. Was uns aber interessiert, ist nicht das leichtfertige Ausgeben von Rezepten, kaum liegen die ersten Arbeiten vor, sondern das Überprüfen der eigenen Aussagen am Objekt und der damit verbundene Lernprozess. Denn gerade im Umgang mit alter Bausubstanz stehen wir, das heisst das Atelier 5, noch am Anfang, und vieles an unseren Arbeiten, die von dritter Seite oft vorbehaltlos aufgenommen werden, sehen wir selber mit recht kritischem Blick Mit andern Worten : Es fallt uns zwar leicht, Grundsätze zu nennen, die das Wesen und den Charakter unserer Arbeiten an alten Objekten bestimmt haben, aber über deren Allgemeingültigkeit zu befinden ist nicht unsere Sache.

um jeden Preis erhalten werden muss; es geht jedoch darum, den Sinn der Tätigkeit als Architekt auch oder gerade dort zu begreifen, wo nicht von Grund auf Neues geschaffen werden kann. Die etwas genauere Analyse des Bestehenden und die etwas selbstkritischere Betrachtung der eigenen Möglichkeiten sind die ersten Voraussetzungen dazu

Verständnis für das Ensemble Alle Projekte, angefangen bei der Siedlung Halen, deren Realisierung wir im Laufe derZeit aus eigener Kraft angestrebt haben, sind gekennzeichnet durch die Suche nach dem Ensemble. Die Gruppierung der Hauser war es, die uns als erstes interessierte, und innerhalb dieser Gruppierung erst das einzelne Haus. Derselbe Hang zum Ensemble ist es wohl auch, der uns davon abgehalten hat, alte Bauten abzubrechen, solange sie als Teil eines zusammenhängenden Ganzen verstanden werden konnten, selbst dann, wenn die architektonische Qualität des einzelnen Objekts nicht über jeden Zweifel erhaben war

Wo nichts mehr steht Es bleibt die Frage nach den Rezepten, wenn in historischer Umgebung aufgrund des Fehlens brauchbarer Substanz von Grund auf neu gebaut werden muss. Nun, vorerst wäre einmal zu sagen, dass uns hier die praktische Erfahrung fehlt, und wir machen ungern Aussagen allgemeiner Natur, die nicht durch realisierte Beispiele untermauert sind. Immerhin soviel: Wirsehen vorläufig den ersten Ansatz für einen neuen Bau in alter Umgebung immer noch in der allerdings schwer zu definierenden Suche nach dem architektonischen Ausdruck, der das Wesen der heutigen Zeit unter Einbezug der technischen Möglichkeiten Sichtbarwerden lasst. Vom Blick nach hinten, von einer Architektur, die sich historisierend in den Glanz vergangener Tage zurückbegeben will, halten wir wenig, sie ist auch nicht unsere Sache. Es scheint uns absurd - und damit kommen wir noch einmal auf das zu Anfang Gestagte zurück-alte Bauten zuerst vollständig zu zerstören, um sich dann mit einer neuen Architektur, scheinbar geschichtsbewusst, dem Verlorengegangenen wieder annähern zu wollen. * Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Umgang mit alten Bauten besteht darin, mit derZeit gelernt zu haben, dass das Bestehende als Ausgangspunkt akzeptiert ein grosses Mass an Freiheit in der Gestaltung des Neuen gibt.

Von der schrittweisen Erneuerung Wir glauben, dass die Erneuerung unserer gebauten Umgebung nur dann zu einem einigermassen verständlichen und akzeptablen Prozess werden kann, wenn wir als Architekten lernen. Vorhandenes zu ergänzen. Altes und Neues miteinander zu verflechten. Selten sind alle Teile eines Hauses bei einer neuen Nutzung noch brauchbar; ebenso selten ist allerdings ein Bau in seiner Gesamtheit nicht mehrzu verwenden. Wenn nun aber jede sich abzeichnende Differenz zwischen dem Anspruch an das Neue und den sich bietenden Möglichkeiten aus dem Vorhandenen zum Anlass genommen wird, das Vorgefundene in seiner Gesamtheit zu zerstören, dann fehlt die Basis zur Kontinuität. Damit ist nicht gemeint, dass jedes Gebäude

Altes und Neues Wo Altes durch Neues zu ergänzen ist, haben sich für uns aus den am realisierten Objekt gemachten Erfahrungen - aus Fehlern, die oft erst sichtbar wurden, wenn die Arbeit vollendet und damit in ihrem gesamten Zusammenhang sichtbar vor uns lag-Spielregeln ergeben: Altes sanieren, instandstellen, Verdecktes freilegen, Fehlendes ergänzen - unter keinen Umstanden jedoch nicht mehr Vorhandenes im alten Stile wieder neu aufbauen. Was neu hinzugebaut wird, soll sich klar als solches zu erkennen geben. Dies gilt bis hin zum letzten Detail. Die Geschichte des Baus und seiner Ergänzung soll ablesbar bleiben. Dabei bedarf es nicht unbedingt des Fingerzeigs, oft genügt die Andeutung.