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Es braucht eine andere Atmosphäre in Heimen und Spitälern

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Heime und Spitäler sind Aufgaben für Spezialisten mit ganz besonderem Wissen. Das jedenfalls wird behauptet. Und selbstverständlich wird dieses besondere Wissen fast ausschliesslich in medizinischen und organisatorischen Bereichen gesucht. Entsprechend werden solche Bauten auch entworfen. Es geht vor allem um kurze Wege, kleine Verkehrsflächen, die Optimierung der Behandlungsstruktur und die Minimierung der Kosten. Das sind Anliegen, die gewöhnlich bei der Planung eines konkurrenzfähigen Produktionsunternehmens berücksichtigt werden müssen. Es ist darum nicht verwunderlich, dass bis vor kurzem Vorschläge, welche über die bekannten funktionalistischen Muster im Spitalbau hinausgingen, kaum Chancen hatten, realisiert zu werden. Vergessen wurde, dass der Zweck eines Spitals vor allem darin liegt, dem Kranken die Möglichkeit zu geben, seine Gesundheit wiederzuerlangen. Das Spital in Schwarzenburg und kurz darauf das Chronisch­ krankenheim Wittigkofen waren für das Atelier 5 die ersten Aufgaben dieser Art. Von Anfang an war uns klar, dass wir versuchen mussten, die Gewichte bei der Lösung des Problems anders zu legen, als dies gewöhnlich geschieht. Ausgangspunkt mussten wieder der Kranke und seine unmittelbare Umgebung werden. Wichtig wurde damit das Krankenzimmer, wie sein Verhältnis zum Aussenraum und seine Beziehung zum Inneren des Hauses. Daraus leiten wir drei Forderungen ab: 1. Das Patientenzimmer muss anders werden. Die Normallösung — ein langgestreckter Raum mit einem Bett am Fenster und einem an der Tur und kaum Platz, einen Tisch richtig aufzustellen — taugt trotz hundertfach gebautem Beispiel wenig. Jeder Patient soll ein Zimmer, ein eigenes Territorium erhalten. Die Diskrepanz in der Bettstellung zwischen Fensterplatz und Türplatz muss aufgehoben werden.

2. Das Patientenzimmer darf nicht vom Rest des Hauses abgeschottet werden. Anstelle des gewöhnlichen Spitalkorridors sind innere Strassen zu konzipieren, auf welche sich die Zimmer öffnen können.

3. Die Patientenzimmer dürfen nicht in einem Bettenhaus über dem Behandlungstrakt wie in einem Hochlager aufgetürmt werden. Das Zimmer soll wieder einen greifbaren Bezug zum Aussenraum erhalten und die Möglichkeiten des ebenerdigen Austrittes nutzen.

Diese drei Grundsätze bildeten die Basis für unseren Entwurf in Schwarzenburg und wurden in den nachfolgenden Arbeiten in Wittigkofen, in Brügg und nun auch bei der Erweiterung des Spitals Langenthal weiter verfeinert. Gemeinsam ist allen drei Bauten der Versuch, eine andere Atmosphäre entstehen zu lassen und die Bewohner als autonome Menschen und nicht als abhängiges Krankengut zu betrachten.

Das sieht in Schwarzenburg so aus Das Patientenzimmer ist kein Schlauch mehr. Der L-förmige Grundriss ermöglicht jedem Bett einen eigenen, dem anderen gleichwertigen Bereich. Auch der gemeinsame Sitzplatz, wo sich ein Ausblick zum Gang öffnen lässt, hat einen eindeutigen Ort, abgesetzt von der mehr privaten Zone der Betten. Durch das Oberlicht wird die Eingangsseite zur zweiten Fassade. Der Tagesablauf wird miterlebt.

Die Betten können je nach Wunsch verschieden gestellt werden, was bei Langzeitpatienten Abwechslung in den Spitalaufenthalt bringt. Die Langzeitpatienten sind in direktem Kontakt zum eigenen kleinen Vorgarten. Die Pergola erweitert das Zimmer nach aussen zum privaten Sitz- oder Liegeplatz im Freien.

In Wittigkofen wurden diese Eigenschaften weiterentwickelt Das Patientenzimmer bietet eine verstärkte Rückzugsmöglichkeit in die abtrennbaren Bettennischen mit ihrem eigenen Schrank und ihrem eigenen Fenster. Gleichzeitig öffnet sich der gemeinsame Wohnteil auch zur Pflegegruppe hin. Somit werden beide Grundforderungen — Rückzug und Öffnung — unabhängig von einander erfüllt.

In Brugg schliesslich erlaubt die Zonierung des Zimmers eine Aufteilung in einen Schlaf- und einen Wohnteil und kommt so den spezifischen Anforderungen des Altersheims entgegen. Das zum Krankenzimmer.

Zum Haus meinen wir Das genau dosierte Tageslicht vom Dach her begleitet und betont bestimmte Orte: die Eingänge zu den Zimmern, die zentrale Zone, die Warteräume. Damit öffnet sich der innere Teil des Hauses immer wieder nach aussen.

Wo Tageslicht vom Dach her eindringt, wird es bis ins Erdgeschoss geführt. Die Geschosse werden räumlich miteinander verbunden. Das Haus wird als Gesamtheit erfassbar.

Wie es kein Fenster- und kein Turbett mehr im Zimmer gibt, gibt es auch keine Aufteilung in bodennahen Behandlungsteil und Bettenhaus mehr. Es gibt nur noch ein Haus, in dem man sich einfach zurechtfindet und immer wieder sieht, was in einem oberen oder unteren Stockwerk passiert. Heim und Spital verlieren ihren institutioneilen Charakter und werden zum Wohnort. J. Blumer, Atelier 5